Kommunikation

8 Strategien für erfolgreiche politische Kommunikation

27.09.2016 | 4 min Lesezeit | Autor: Dominik Véron

Als Politikerin oder Politiker Wahlkampf zu führen, heisst sich selber der Öffentlichkeit zu präsentieren und zu vermarkten. Wir haben acht Punkte zusammengetragen, die besonders wichtig sind und auf die es sich zu achten lohnt.

Plakate-Wahlkampf-in-Farbe

Vor jedem Wahlkampf stellt sich für Politiker und Politikerinnen die Frage, wie sie sich der Öffentlichkeit und somit den Wählerinnen und Wählern präsentieren sollen. Mit der Vielzahl an digitalen und analogen Kanälen kann die politische Kommunikation schnell überfordern und undurchschaubar wirken. Wir haben für Sie acht grundlegende Tipps zusammengefasst, die für eine erfolgreiche Wahlkampagne beachtet werden sollten.

1. Strategisch vorgehen
Als Politiker wissen Sie genau, für welche Werte Sie einstehen und was Ihr Profil ausmacht. Nun gilt es, diese Überzeugungen den Stimmberechtigten mitzuteilen. Doch bevor Sie Gas geben können, braucht es eine Kommunikationsstrategie. Welche Themen stehen im Vordergrund? Wo könnten Sie aufs Glatteis geführt werden? Und wie reagieren Sie, wenn Sie von Gegnern und Medien angegriffen werden? Nicht immer ist Angriff die richtige Strategie. Auch gilt es Kommunikationskanäle gezielt auszuwählen. Facebook ist nicht für jeden Politiker Pflicht. Je nach Wählerschaft sind Sie mit Newsletter und sympathischen Giveaways besser bedient. Zudem müssen die Massnahmen mit Ihrem Wahlkampf-Budget kompatibel sein. Überlegen Sie sich auch, wie Sie Ihr Netzwerk für Ihren Wahlkampf einsetzen können.

2. Plattformen schaffen
Um als politische Person im Gespräch zu bleiben, braucht es geeignete Plattformen. Zu empfehlen ist eine Kombination aus digitalen und analogen Formen. Eine einfache, aber moderne und ansprechende Website ist Ihre Visitenkarte im Netz. Aktuelle Inhalte machen sie zur Anlaufstelle für alle, die über den Wahlkampf informiert sein wollen. Damit Ihre Website besucht wird, ist es wichtig, auf diversen Kommunikationsmitteln darauf hinzuweisen (Newsletter, Flyer, Visitenkarten, die Website der Partei usw.) und auf eine gute Sichtbarkeit bei Google zu achten. Füttern Sie Ihren Twitter-Account oder Ihre Facebook-Seite regelmässig mit neuen Inhalten und bauen Sie so eine Community auf. Bei alldem nicht zu vergessen: Auftritte ausserhalb des Word Wide Web sind mindestens so wichtig. Organisieren Sie eine Podiumsdiskussion, zu der Sie Mitstreiter einladen, verteilen Sie Ihre Giveaways am lokalen Markt und kommen Sie am Turnfest mit Ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern ins Gespräch.

3. Frühzeitig starten
Starten Sie mit der Kampagne frühzeitig. Viele Politiker betreuen ihre Kanäle erst im Hinblick auf den Wahlkampf. Den Rest der Zeit werden Website, Facebook, Twitter, Blogs und Co. kaum bespielt. Um aber im Gespräch zu bleiben und einen authentischen (Online-)Auftritt gewährleisten zu können, muss früh begonnen und auch nach den Wahlen und während der gesamten politischen Karriere regelmässig kommuniziert werden. Um potenzielle Wählerinnen und Wähler direkt anschreiben zu können, ist eine gute Adressdatenbank nötig. Je früher Sie eine solche anlegen und je besser Sie diese nachführen, umso grösser wird der Erfolg Ihrer Newsletter und Mailings ausfallen.

4. Wiedererkennungswert erzeugen
Ziehen Sie Ihren Auftritt konsequent durch. Stellen Sie sich vor, Sie sind eine Marke, die es nach aussen zu tragen gilt. Genau wie bei einer Marke gilt es auch als Politiker wiedererkannt zu werden. Und dies nicht nur inhaltlich und fachlich, sondern auch formal. Nutzen Sie ein «Corporate Design», das sich durch all Ihre Kanäle zieht; sei es auf der Website oder auf Giveaways, auf Plakaten oder im Newsletter. Setzen Sie auf professionelle und qualitativ hochstehende Bilder. Gegebenenfalls ist ein Logo aus Ihrem Namen oder Ihren Initialen angebracht. Das schafft einen weiteren Faktor für die Wiedererkennung. Lassen Sie sich von gelernten Grafikern helfen, denn von Laien gebastelte Gestaltungen wirken rasch unprofessionell.

5. Netzwerke aktivieren
Egal ob on- oder offline, Netzwerke sind essentiell. Vernetzen Sie sich mit Wählerinnen und Wählern, potenziellen Unterstützern oder Mitstreitern. Tauschen Sie Ansichten und Visitenkarten aus und engagieren Sie sich. Sie werden sehen, dass Sie mit geschicktem Netzwerken viel Unterstützung erfahren. Das Volk wählt gerne Kandidaten und Kandidatinnen, die es persönlich kennt und sympathisch findet. Und auch die Mund-zu-Mund-Propaganda hat im digitalen Zeitalter noch nicht an Relevanz verloren.

6. In Kontakt bleiben
Ob Bundesrat, Nationalrat oder Gemeindeparlamentsmitglied – sie alle sind per Definition Vertreter des Volkes. Deshalb ist es wichtig, volksnah zu bleiben und die Anliegen der Mitbürger und Mitbürgerinnen zu kennen. Das sollten Sie auch zeigen: Bieten Sie Ihren potenziellen Wählerinnen und Wählern die Möglichkeit, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen und bleiben Sie im Dialog. Social Media wurden speziell für Dialoge geschaffen. Wenn Sie nur propagieren und nicht auf Ihre Wählerschaft eingehen, bringt Ihnen dieser Kanal nichts. Zeigen Sie auch in der analogen Welt, dass sie wissen, was das Volk will und bieten Sie bei Veranstaltungen und Treffen die Möglichkeit, Anliegen persönlich einzubringen. Ob online oder an Veranstaltungen und bei persönlichen Begegnungen: Hören Sie zu.

7. Gute Inhalte liefern
Die Auswahl an Kommunikationskanälen ist heutzutage riesig. Aber Achtung: Wichtig ist nicht, dass Sie jeden einzelnen bespielen, sondern dass Sie auf denjenigen Kanälen, auf denen sich Ihre Zielgruppe aufhält, geeignete Inhalte liefern. Das bedeutet, keine Floskeln zu verbreiten, sondern Mehrwert zu bieten und die Wählerschaft aufzuklären. Zudem funktionieren auf unterschiedlichen Kanälen unterschiedliche Medienformate besser oder weniger gut. Kurze Videos sind für Facebook zum Beispiel ausgezeichnet geeignet und erreichen grössere Reichweiten als lange Textbeiträge. Achten Sie zudem darauf, die einzelnen Kanäle regelmässig mit aktuellen Inhalten zu bespielen.

8. Gerüstet sein
In den wenigsten Fällen kandidieren Sie ohne Gegenkandidaten für ein Amt. Auch Ihre Konkurrenz macht sich Gedanken zu all den oben aufgeführten Punkten. Seien Sie also vorbereitet auf alle Eventualitäten. Am besten funktioniert dies mit dem Erarbeiten von Szenarien: Wie verhalten Sie sich, wenn dieses oder jenes Ereignis eintritt? Was könnte der Gegenkandidat sagen, denken, tun? Mit einer guten Vorbereitung können Sie souverän und überlegt reagieren.

Neben der Kommunikation hängt der Erfolg einer Wahlkampagne von vielen weiteren Faktoren wie Konkurrenz, Bisherigen-Bonus, Persönlichkeit etc. ab. Eine gut durchdachte politische Kommunikation trägt aber einen grossen Teil dazu bei, um ins Gespräch zu kommen und auf den Verlauf des Wahlkampfes Einfluss zu nehmen.

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Dominik Véron hat seinen Master in Organisationskommunikation an der ZHAW Winterthur abgeschlossen. Seinen Bachelor in Publizistik- und Kommunikationswissenschaft/Soziologie hat er zuvor an der Universität in Zürich geholt. Mehr Artikel von diesem Autor