Online Marketing

Kundenmagnet statt Kundenbagger

23.04.2021 | Lesezeit | Autor: Gisèle Ladner

Gekonntes Netzwerken statt plumpem Baggern: Wer auf LinkedIn wirklich erfolgreich sein und vielleicht sogar Geld verdienen möchte, sollte die Verweildauer seiner Posts steigern und sich eine kleine Content-Strategie zurechtlegen. Das beliebte Re-Posten von Beiträgen, die andere geschrieben haben, bringt hingegen eigentlich ziemlich wenig.

Wir wollen ein Kundenmagnet sein, kein Kundenbagger.

LinkedIn – ach, diese berufliche Bubble, wo ich all die Kontakte finde, mit denen ich in den letzten Jahren gearbeitet, studiert oder genetzwerkt habe. Warum man dort überhaupt ein Profil haben sollte ist für viele glasklar – muss man ja heute eigentlich haben. Eine digitale Visitenkarte. Und irgendwie wohl auch gut, um Kund*innen zu gewinnen – das hört man zumindest immer mal wieder.

Aber, sind tägliche Postings auf der Unternehmensseite, InMessenger-Anfragen an Wunschkund*innen oder Werbeanzeigen-Schaltungen (die übrigens ziemlich teuer sind) wirklich das Mittel zum Ziel?

Anziehen statt anbaggern

Wir wollen ein Kundenmagnet sein, kein Kundenbagger.

Eine klare Aussage von LinkedIn-Profi Cristina Roduner, die leider viele noch nicht verstanden haben.

Wer aufdringliche Nachrichtenanfragen im Stil von «ich hätte einen Deal für Sie» auf LinkedIn verschickt, kommt selten zum Ziel. Wer munter Kontaktanfragen ohne Grund und Nachricht verschickt, um sich eine potentielle Kundengruppe zu «akquirieren», wird schnell als mühsam wahrgenommen. Oder einfach ignoriert.

Statt wildem Gebaggere, kann man sein Profil mit einer geschickten Content-Strategie aber auch zum Magnet machen und seine Fähigkeiten und Skills anpreisen. Auf «natürliche» Art und Weise.

Echtes Netzwerken ist gefragt

Wer nützlichen Content postet, der seinen Kontakten weiterhilft und zeigt, dass man auf einem Gebiet gute Skills hat, gewisse Werte vertritt oder eine interessante Persönlichkeit ist, präsentiert sich wirkungsvoll, aber unaufgeregt.

Wer dann noch bei anderen Postings interessiert mitliest, kommentiert und «echtes» Networking pflegt, fällt über kurz oder lang den richtigen Leuten auf – und gewinnt durch gutes Netzwerken Kund*innen, statt plump zu baggern.

Wer bist du, was machst du und wofür stehst du?

Um eine kleine Content-Strategie für das eigene Profil kommt man aber nicht herum. Idealerweise stehen die dort präsentierten Skills und Werte mit dem Unternehmen, für das man arbeitet, in Zusammenhang oder sind zumindest nicht komplett konträr. Die persönlichen Profile haben eine viel höhere Reichweite, als Unternehmensseiten: Wir wollen uns mit Menschen vernetzen. LinkedIn fördert das und blendet Profile, die gut eingerichtet sind und guten Content haben, auch neuen potentiellen Kontakten (und Kund*innen) ein.

Die Reichweite der eigenen Postings wird von LinkedIn natürlich gesteuert. Der Algorithmus fördert Postings mit einer hohen Verweildauer und einem guten Engagement. Die Verweildauer wird zum Beispiel höher, wenn wir einen Artikel posten, der ein PDF mit gutem Content beinhaltet.

Posts von Anderen teilen ist nett, bringt aber nicht viel.

Was entgegen der gebräuchlichsten Nutzung von LinkedIn wenig funktioniert, ist das Re-Sharen von anderen Postings. «Es bringt der eigenen Reichweite nichts», erklärt Cristina Roduner, warum sie davon abrät. LinkedIn erkennt Duplicate Content. Und auch die Like-Zahl ist eine Messgrösse, der nicht zu viel Beachtung geschenkt werden sollte. «Etwa 90 Prozent der Kontakte lesen still mit und merken sich, was geschrieben wurde. Sie liken, kommentieren oder sharen aber den Post nicht.»

Ebenfalls ein Klassiker ist das Posten von Links zu Blogbeiträgen, Videos, Webseiten. «Auch davon rate ich ab. Die Verweildauer ist klein und eigentlich wollen die Leute auf LinkedIn die nötige Infos bekommen und nicht bei jedem Beitrag auf eine separate Seite gelangen.»

Wer übrigens nicht ständig Posts verfassen will, kann auch «nur» Networken. «Ich sage immer, eine Viertelstunde am Tag, in der man bei spannenden Posts kommentiert, auch einmal polarisiert und den Austausch pflegt, bringt schon viel», so Cristina Roduner, «LinkedIn unterscheidet nicht umsonst zwischen ‘aktiven’ User*innen und inaktiven».

Wer netzwerkt, kann auch Geld verdienen

LinkedIn ist mehr, als eine Kartei alter Kontakte. Und das klassische Re-Sharen von Beiträgen oder Linkvorschau-Posten sind, wenn man sich schon die Mühe macht, einen Post zu verfassen, definitiv nicht die richtigen Mittel, zum Ziel. Wer die Plattform zur Kundengewinnung nutzen möchte, sollte sein Profil vom Slogan bis hin zu den Kenntnissen sauber ausrüsten – so, wie man auch seine Bewerbungsunterlagen pflegen würde. Und man sollte sich auch überlegen, welche Skills und Werte man in seinem Content beinhalten möchte.

Wer gekonnt netzwerkt, kann mit der Plattform effektiv Geld verdienen. «Rund 30 Prozent haben bei einer Umfrage von mir, ob sie mit LinkedIn Umsatz generieren, mit  Ja geantwortet», freut sich Cristina Roduner. 

Um es mit einem Klassiker zu sagen: Your network ist your net worth.

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Würde am liebsten zusammen mit einem Hausschwein in einem Book Shop in London wohnen. Lebt aber auch gern mit Mann, Katzen und selbst gezüchteten Tomaten in Teufen und geniesst beim Yoga den Blick auf den Alpstein. Ist auf der Strasse manchmal nicht ansprechbar, da immer laute Gitarren-Musik auf den Ohren. Ist eigentlich aber sehr interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Stellt als ausgebildete Journalistin notorisch Fragen und liebt es, Menschen und Marken in Worte zu fassen. Ist als Fachjournalistin von Berlin bis Istanbul über das Fashion-Week-Parkett getanzt, bevor sie die letzten zwei Jahre ein Ostschweizer KMU geleitet und dort die Medienpräsenz ihrer Kunden analysiert hat. Mehr Artikel von diesem Autor